Corona 1

Eine Meinung sollte man sich bilden, nachdem man sich mit einem Thema beschäftigt hat.
Beim Thema Corona- Virus wird sich meine Meinung vermutlich irgendwo zwischen 2 Extremen einpendeln.
In diesem Beitrag „Corona 1“, möchte ich zunächst beide Extreme vorstellen.
Das erste nenne ich „Mainstream“, das zweite „Kritik“.

Wenn absehbar ist wo meine Meinung landet, schreibe ich „Corona 2“ – das könnte aber noch ein paar Monate dauern. . .

Grundlegende Informationen

Wir leben in einer Informationsgesellschaft, in der wir mit Informationen zugeschüttet werden, bis wir den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. Entscheidende Informationen gehen dabei häufig unter.
Um das zu vermeiden, trete ich also erst mal einen Schritt zurück, um das Thema in einen größeren Zusammenhang einzuordnen:

  • In Deutschland sterben pro Jahr etwa 950.000 Menschen und ca. 780.000 werden geboren.
    d.h. pro Tag sterben ca. 2603 Menschen. (Quelle)
  • Seit Beginn der Corona- Krise starben in Deutschland 45 Menschen, bei denen eine Infektion mit diesem neuen Virus über einen Test nachgewiesen wurde. (Stand 21.03.2020 nach WHO Informationen)
  • In Deutschland gibt es 1942 Kliniken und ungefähr 497.200 Betten. (Zahlen von 2017)
    Im Jahr 1991 waren es noch 2400 Kliniken, d.h. in den letzten 26 Jahren, sind 20% der Krankenhäuser „eingespart“ worden. (In der aktuellen Situation könnte sich der Mainstream durchaus mal fragen, ob das eine gute Entwicklung war. . . )
  • Bei der Grippewelle 2019/2020 haben sich laut Robert Koch Institut (RKI) nach bestätigten Laborbefunden 145.258 Menschen in Deutschland mit der Grippe infiziert (plus Dunkelziffer). 247 davon sind bisher daran gestorben.
  • Die Grippewelle 2017/2018 hat in Deutschland rund 25.100 Menschen das Leben gekostet. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2019/daz-40-2019/zahl-der-woche
  • Jedes Jahr sterben Schätzungsweise 10.000 bis 20.000 Menschen in Deutschland durch Krankenhauskeime. https://www.tagesschau.de/inland/infektionen-101.html
    (Holland ist hier im Vergleich mit Deutschland deutlich besser, man könnte also etwas dagegen tun – das hat extrem viel mit konsequenten Hygienemaßnahmen im Krankenhaus zu tun und würde für alle Infektionskrankheiten hilfreich sein – dieses Thema ist aber nicht gerade in aller Munde.
    Weil das ein Thema ist, das ich schon lange verfolge und ich dazu eben schon eine Meinung entwickelt habe, erlaube ich mir das hier ohne weitere Begründung zu behaupten.)
  • Coronaviren gibt es viele und es kommen, wie bei allen Krankheitserregern, auch immer wieder neue dazu. Laut der Wikipedia sind viele Coronaviren bekannt, derzeit aber nur 7, die den Menschen krank machen können.
  • (Ich bin mir nicht sicher, ob man das für die Einordnung des Geschehens hier erwähnen muss, aber für den Hunger in der Welt geben wir wesentlich weniger Geld aus, als jetzt für die Corona- Krise. Wenn es wie Söder sagt, die schlimmste Krise seit dem 2. Weltkrieg ist, dann ist das womöglich ja berechtigt.
    Im Gegensatz zum Hunger, geben wir für Krieg viel zu viel Geld aus. Wenn es natürlich wie Macron sagt, ein Krieg gegen dieses Virus ist, dann können wir ja vielleicht hoffen, dass wir zukünftig weniger Geld für Kriege gegen Menschen ausgeben.
    Vielleicht finden manche, dass das nichts mit dem Thema zu tun hat, daher hab‘ ich es in Klammern geschrieben. Ich konnte mir das aber nicht verkneifen, weil es mich einfach in den Fingern gejuckt hat. . . )

Auf den ersten Blick, fragt man sich, was dieses neue Corona- Virus so gefährlich macht.
Wir hatten SARS, MERS, die Vogelgrippe, die Schweinegrippe, jedes Jahr Grippewellen und Krankenhauskeime, Herzinfarkt und Krebs (Hunger, Krieg und juckende Finger. . . )
Da stellen sich 2 Fragen:
Was macht Corona so gefährlich, dass man darauf politisch so entschlossen reagiert?
Und warum reagieren wir auf die anderen Toten weniger entschlossen?

Der Mainstream

Die mehrfach klar kommunizierte offizielle Antwort auf die erste Frage ist:
Die Geschwindigkeit mit der es sich ausbreitet, würde zur Überlastung unseres Gesundheitssystems führen und damit zu vielen Todesfällen, die zu verhindern wären, wenn wir es schaffen die Ausbreitung zu verlangsamen.

Verlangsamen ist das Ziel des aktuellen politischen Handelns, damit möglichst wenige schwer Erkrankte gleichzeitig behandelt werden müssen, was unser Gesundheitssystem wohl überfordern würde.

Das erklärt das entschlossene Handeln. Jedenfalls auf den ersten Blick.
Die 2. Frage wird im Mainstream derzeit nicht diskutiert.
Und ich werde das in diesem Beitrag auch vernachlässigen. (Aber ich ermuntere jeden, gelegentlich darüber nachzudenken. . . )

Ein Stoppen des Corona- Ausbruchs, wird vom Mainstream ausgeschlossen.

Statt dessen rechnet z.B. das Robert- Koch Institut (RKI) (und viele andere auch) etwa mit folgendem Szenario, das auf Modellrechnungen und verschiedenen Annahmen basiert:
Es wird in den nächsten 1 bis 2 Jahren mit einer Infektion von 60 bis 70% der Bevölkerung gerechnet.
Dabei wird davon ausgegangen, dass ein Infizierter durchschnittlich 2 bis 3 weitere Menschen ansteckt.
80% der Infektionen verlaufen milde bis moderat, doch rund 5% der registrierten Betroffenen in China mussten an ein Beatmungsgerät. Vor allem ältere Menschen mit Vorerkrankungen können daran sterben. Die Sterberate ist von Land zu Land sehr unterschiedlich, aber aufgrund der weltweiten Ausbreitung ist mit sehr vielen Toten auch bei uns zu rechnen.

Kein Wunder, wenn man da beunruhigt ist.

Fragen an den Mainstream

Beschäftigt man sich ausführlich mit dem was uns öffentlich erzählt wird, bleibt eine ganze Menge Fragen bisher leider unbeantwortet.

Ich kann z.B. nicht sagen, ob die genannten 1 bis 2 Jahre für die 60 oder 70%ige „Durchseuchung“ mit oder ohne verlangsamende Maßnahmen geschätzt wurden. (Ich vermute mit den Maßnahmen.)

Derzeit (Stand 21.03.2020) werden uns 18323 Infizierte und 45 Tote in Deutschland gemeldet.
Rechnet man das als naiver Excel- Nutzer auf die 70% der ca. 82 Millionen Deutschen hoch, dann wäre wohl mit bis zu 140.970 Toten zu rechnen.
So einfach kann man das aber nicht seriös berechnen. (Weiter unten gehe ich näher darauf ein. . .).
Aber man darf sich fragen, weshalb uns öffentlich jeden Tag nackte Zahlen um die Ohren gehauen werden, die dringend einer erklärenden Einordnung bedürften.
Brauchen wir in einer aufgeklärten Demokratie beängstigende Szenarien, weil wir sonst die Maßnahmen unserer Poilitiker nicht ernst nehmen?

Die Furchtappellforschung beschäftigt sich mit solchen Fragen, aber das führt hier zu weit.
Ich möchte in diesem Zusammenhang nur erwähnen, dass ein Umgang mit aufgeklärten Bürgern sich schlecht mit Vorstellungen wie: „Lenken durch Angst machen“ verträgt.

Am 18.03.2020 erklärte der Präsident des RKI, Lothar Wieler, dass wir mit zehn Millionen Infizierten in 3 Monaten rechnen müssen, wenn man die jetzigen Maßnahmen (den „Lockdown“, wie manche das nennen) nicht durchführt.
Ich würde die Berechnungen des RKI, die dieses Horrorszenario vorhersagen wirklich gern mal sehen. Und vor allem die Annahmen die dahinter stecken. Danach suche ich allerdings schon einige Zeit vergeblich.

Auf NTV wurde am 19.03.2020 Prof. Dr. Timo Ulrichs – Epidemiologe und Katastrophenschutz- Experte interviewt.
In einem Nebensatz sagt er, dass wir in Deutschland derzeit eine Verdopplungszeit von 3 Tagen hätten. (Ab Min. 7:20)
Wie kommt man auf diese Zahl?
Am 31.01.2020 gab es 4 gemeldete Fälle in Deutschland laut WHO. Mit einer Verdopplung alle 3 Tage müssten wir am 19.03.2020 über 4 Millionen (4.194.304) Infizierte gehabt haben. (Leicht in Excel nachzurechnen)
Das kann also damit nicht gemeint sein.
Vom 15.03.2020 bis zum 18.03.2020 (der 19.03.2020 war zum Zeitpunkt des Videos noch nicht verfügbar), stieg die Zahl der gemeldeten Fälle in Deutschland von 3800 auf 8198.
Das muss er wohl gemeint haben.
Das ist sogar mehr als nur eine Verdopplung, nämlich das 2,16 fache, aber ich will nicht kleinlich sein.
Aber was soll uns Bürgern eine solche Zahl sagen, wenn sie sich täglich ändert?
Vom 18. bis zum 21. ging es von 8198 auf 18323 hoch – das ist schon das 2,24 fache. . .
Denken sich die Experten auch was dabei, wenn sie uns mit solchen Zahlen bombardieren, deren Bedeutung sie nicht genauer erklären?
(Ich gehe im Zusammenhang mit China noch mal auf dieses Video ein.)

Wäre es nicht auch mal wichtig zu wissen wie viele Menschen getestet wurden und wie viele davon keine Infektion hatten?

Die Art und Weise wie wir von Politik, Medien und Experten informiert werden, sollten wir dringend mal genauer besprechen. Ich muss als Bürger einen ungeheuren Aufwand treiben, wenn ich verstehen möchte was hier wirklich abläuft. Und ich bin damit noch nicht fertig. . .

Ich denke die sogenannten Experten schätzen notgedrungen an vielen Stellen, sagen aber nicht dazu dass sie das tun, bzw. an welchen Stellen genau sie schätzen und mit welchen Zahlen und Modellen sie arbeiten. Wie komme ich auf diese Behauptung?

Das RKI macht dauernd öffentliche und unmißverständliche Aussagen, die mir Angst machen. Leider muss man diese Aussagen wohl relativieren, denn das RKI hat selbst geschrieben:

Welche Auswirkungen eine mögliche Ausbreitung von COVID-19 auf die Bevölkerung in Deutschland haben würde, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die heute noch nicht einschätzbar sind – u. a. davon wie schnell die Ausbreitung in Deutschland erfolgt, wie viele Menschen zeitgleich betroffen sind und wie schwer die Erkrankungen verlaufen.

Ergänzung zum Nationalen Pandemieplan – COVID-19 – neuartige Coronaviruserkrankung (4.3.2020)

Wie ernst zu nehmen sind da die Empfehlungen des RKI, wenn es noch viele nicht einschätzbare Faktoren gibt?
Oder sind diese jetzt am 22.03.2020 also nach 18 Tagen etwa alle schon vorhanden?
Und welches sind diese Faktoren etwas genauer?.
Warum reden wir darüber nicht öffentlich?
Was ist Befürchtung und was ist Fakt?
Sind wir in der „schlimmsten Krise seit dem 2. Weltkrieg“ (Söder), oder befürchten wir nur, dass sie eintreten könnte?

Ich war einige Jahre Mitglied im Deutschen Netzwerk Evidenz-basierte Medizin e.V. und stehe noch auf deren Email- Verteiler. Dort wird ein Teil dieser Fragen durchaus diskutiert, das geht aber nicht in die öffentliche Diskussion ein – Schade!
Ich gehe weiter unten jedenfalls ausführlich darauf ein. Aber zuerst möchte ich mir noch genauer ansehen was dort läuft, wo es schon die meisten Erfahrungen mit diesem Virus gibt und wo es auch entdeckt wurde:

China

Auch hier wieder zuerst ein einordnender Überblick:

In der Innenstadt von Wuhan leben über 8 Mio. Menschen.
10 Mio. im 8500 Quadratkilometer großen Verwaltungsgebiet.
D.h. dort leben durchschnittlich ca. 1176 Menschen auf einem Quadratkilometer. In Deutschland sind das laut der Wikipedia nur 232 Menschen pro qm.
Wuhan ist also eine dicht besiedelte Großstadt.

Das Ärzteblatt beschreibt 2 Studien, die in Wuhan durchgeführt und in Lancet und MedRxiv veröffentlicht wurden hier zu finden :
Die Studien wurden von englischen Wissenschaftlern durchgeführt und kommen zu dem Ergebnis, dass die chinesische Regierung das Ausmaß der Epidemie anfangs unterschätzt hat.

Die Reproduktionszahl, die angibt wie viele weitere Personen ein Erkrankter im Durchschnitt ansteckt, lag noch Ende Januar bei 2,35. Sie ging dann im Februar auf 1,05 zurück.

(Kleiner Ausflug nach Österreich, weil ich da auch was über die Reproduktionszahl gefunden hab‘:
In Österreich lag sie am 12.03.2020 noch bei 1,62 zit. nach hier.
Die Grippe liegt nach der gleichen Quelle bei einer 2, also höher als das Coronavirus in Österreich und die Masern liegen bei 12 bis 18.
Nach der Wikipedia wird die Grippe von 1918, an der Millionen Menschen starben, mit 2 bis 3 geschätzt, Masern auf 15, und Covid-19 wird auf 2,4 bis 3,3 geschätzt.
Die Österreicher stecken wohl nicht so viele an – außer in Ischgl wie es scheint. . .
zurück nach China)

Der Rückgang trat interessanterweise schon 1 Woche vor dem „Lockdown“ ein.
Warum die Zahlen bereits vor den weitreichenden Restriktionen zurückgingen, ist unklar. Es ist möglich, dass andere Maßnahmen wie Kontaktverfolgung und Quarantäne Wirkung zeigten.
(Und das „Kritische“ Szenario, das ich erst am Ende vorstellen werde, liefert durchaus auch eine plausible Erklärung dafür. . . )

Wie so oft, geht es hier um mathematische Modellrechnungen, die auf unsicheren Annahmen beruhen. Niemand kennt die genaue Zahl der Infizierten. Die Schätzungen der Dunkelziffer liegen zwischen dem 10 und 40 fachen der gemeldeten Erkrankungen.

(„Super-Spreader“ wie bei der SARS-Epidemie von 2002/3 wurden laut der Studien bisher nicht beobachtet.
Ich denke das darf man verhalten positiv werten. . .
Timo Ulrichs sieht allerdings jede Menge „Super-Spreaders“ in Deutschland:
„Diejenigen die das Virus weitergeben, meistens diejenigen sind, die kaum oder gar keine Symtome haben, deswegen auch erst sehr spät erkannt werden, wenn die Testungen passieren und dann eben auch nochmal zeitverzögert erst in Quarantäne gehen. D.h. diejenigen und vor allen Dingen jetzt zur Zeit gerade Menschen, die das ganze nicht ernst nehmen sondern eben auch gar nicht sich testen lassen wollen, die sind die sogenannten Super-Spreaders“, also diejenigen, die das Virus wirklich sehr stark vermehren, deswegen haben wir jetzt auch diese starke Zunahme von Fällen.“ Ab Min. 3:57 im Video – da sollte man sich mal fragen, ob die englischen Studienleiter die gleiche Definition für das Wort „Super-Spreader“ haben wie Timo Ulrichs. . . )

Die Ergebnisse der beiden Studien und die aktuellen WHO Zahlen zeigen, dass es derzeit möglich erscheint, eine Corona- Epidemie in einem Land zu stoppen.
Der Erkenntnisgewinn für die politischen Entscheidungsträger wird allerdings gering eingeschätzt, da sich der Einfluss der einzelnen Maßnahmen nicht voneinander abgrenzen lässt.

Da wären wir beim Thema „ordentlich forschen“, damit man daraus etwas lernen kann. Aber derzeit sieht es nicht danach aus. Überall regiert anscheinend nur noch die Panik und Forschungsgelder wurden in den letzten Jahrzehnten gestrichen, was viele Wissenschaftler in finanzielle Abhängigkeiten gebracht hat. (Mist, das geht ja schon wieder über das Thema hinaus. . . )

Unklar bleibt in China natürlich auch, ob die Zahlen noch einmal ansteigen werden, nachdem die Produktion in Wuhan wieder angelaufen ist.
Aber dafür gibt es laut der Studien derzeit keine Anzeichen. Nach der Mainstream Meinung muss man aber davon ausgehen, oder aber die Annahmen des Mainstreams liegen ganz schön weit daneben. . .

Wenn es in China nicht zu wieder ansteigenden Zahlen kommt, dann widerspricht das entweder den Aussagen des RKI, dass die Pandemie nicht gestoppt werden kann, oder aber die Chinesen sind schon zu 70% durchseucht. Dann wären die befürchteten Folgen der Pandemie allerdings völlig überbewertet.

Jedenfalls lerne ich aus diesen Studien, die die bisherigen Erfahrungen aus China zum Teil widerspiegeln, dass es durchaus im Bereich des möglichen liegen könnte, dass wir hier in Europa etwas überreagieren. . .
Eine abschließende Meinung bezüglich der Gefährlichkeit des Virus traue ich mir natürlich nicht zu. Meine Einschätzung kommt nur aus dem was ich zu lesen bekomme.

Wer ermittelt diese wichtigen Informationen?
Welcher Teil der Gesellschaft ist auf die Produktion von Informationen spezialisiert?
Die Medien sollen Informationen verteilen, sie nicht produzieren.
Wer schafft das Wissen, auf das wir uns verlassen können?

Was sagt „die Wissenschaft“?

Die Wissenschaft ist mehr als nur das RKI, ein paar Experten im Fernsehen oder ein paar Studien zu China. Es ist ein ziemlich großer Teil der Gesellschaft, der zu allen möglichen Themen forscht und meist auch ziemlich unterschiedliche Meinungen hervorbringt.

Unterschiedliche Meinungen sind oft ein Zeichen dafür, dass es uns an belastbaren Daten mangelt.
Wir haben zu wenig gesichertes Wissen über den Verlauf einer Epidemie mit diesem Virus und auch zu wenig gesicherte Erkenntnis darüber welche Maßnahmen sich wie auf die Epidemie oder Pandemie auswirken.
Dieses Wissen wäre aber offensichtlich sehr nützlich und es ist Aufgabe der Wissenschaft dieses Wissen zu beschaffen. Das muss aber auch von der Politik unterstützt werden – Wissenschaft kostet schließlich auch Geld.

Daher schließe ich mich den Forderungen des Deutschen Netzwerks Evidenz-basierte Medizin e.V. voll an und möchte die aktuelle Stellungnahme vom 20.03.2020 zum Corona Virus hier gekürzt wiedergeben (wem das zu viel Input ist, kann es ja überspringen und zu der 2. Extremposition „Kritik“ runterscrollen):

Inzwischen glaubt kein Epidemiologe noch daran, dass es gelingen kann, das Virus durch Isolierung und Quarantäne vollständig zu eliminieren.
Die Frage, die sich nun vordringlich stellt, ist, wie gelingt es, dass es möglichst wenig Schaden anrichtet.
Hier gilt es, direkten Schaden durch Todesfälle, Arbeitsausfall oder Überlastung des Gesundheits-systems gegen indirekte Schäden wie die Folgen von sozialer Isolierung und Wirtschaftsstillstand abzuwägen.
Es gibt Unklarheiten und einen Mangel an Evidenz für die derzeitigen Maßnahmen.
Die wichtigste Botschaft:
Die Notwendigkeit aufzuzeigen, aus der derzeitigen Situation durch konsequente Forschung zuverlässige Daten für zukünftige ähnliche Ereignisse zu gewinnen.

Morbidität (Verhältnis der Zahl der Erkrankten zu der gesamten Bevölkerung):

Derzeit verdoppeln sich in vielen Ländern die diagnostizierten Fälle ca. alle 2 bis 2 ½ Tage.
Hochrechnungen prognostizieren, dass die Kapazitäten der Kliniken im deutschsprachigen Raum spätestens Anfang April erschöpft sein werden. Ob die derzeit ergriffenen Maßnahmen das Szenario günstig beeinflussen, ist ungewiss.

Der Anstieg an neuen Fällen konnte in China, Südkorea und Singapur, zumindest verlangsamt werden.

Letalität (Tödlichkeit)

Es gibt keine zuverlässigen Zahlen über die Letalität von COVID-19.
Sicher ist, dass die simple Division der nachgewiesenen Erkrankungen durch die Anzahl der Todesfälle [zum 19.3.2020 wären das 4,0%] zu einer substantiellen Überschätzung der sogenannten „Case Fatality Rate“ (CFR) führt.

Diese Zahl ist jedoch durch mehrere Fehler behaftet:

  • Da COVID-19 in der Mehrzahl der Fälle mit milden Erkältungssymptomen oder gar symptomfrei verläuft, werden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht alle Infektionsfälle erfasst, Todesfälle jedoch nahezu vollständig. Dies führt zu einer Überschätzung der CFR.
    Ist die Dunkelziffer der Infizierten 10-mal größer als die Zahl der erfassten Erkrankungen, dann ist die CFR nur etwa ein 10tel der aktuell gemessenen.
    Manche gehen von einer noch höheren Dunkelziffer aus.
  • Die Verfügbarkeit der Tests war und ist nicht überall gegeben. Auch in Deutschland bestanden teilweise Engpässe, die zu einer Überschätzung der CFR beitragen.
  • Mit zunehmender Verbreitung der Erkrankung wird es immer schwieriger, eine vermutete Infektionsquelle auszumachen. Dies führt dazu, dass banale Erkältungen nicht unbedingt mit COVID-19 in Verbindung gebracht werden und Betroffene deshalb gar nicht zum Arzt gehen.
  • Zu einer Überschätzung der CFR kommt es auch, wenn bei Verstorbenen eine Infektion zwar nachgewiesen wird, diese jedoch nicht den Tod herbeigeführt hat.
  • Ein Fehler, der andererseits zu einer Unterschätzung der CFR führt, ist, dass jeder Fall bereits ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung bei den Erkrankten mitgezählt wird, dass aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststeht, ob der Erkrankte überleben wird. Den kumulativen Todesfällen müsste daher die Anzahl der bekannten Erkrankungen zum Zeitpunkt der Erstmanifestation der Erkrankung bei den Verstorbenen gegenübergestellt werden, d.h. die Anzahl der Erkrankungen etwa 14 Tage vor dem Todesdatum, wenn man davon ausgeht, dass Betroffene im Durchschnitt nach zweiwöchiger Erkrankungsdauer versterben.

Zudem variieren die CFRs stark von Land zu Land, was sowohl durch unvollständiges Erfassen der Fälle, z.B. aufgrund unterschiedlicher Vorgehensweise beim und Kapazitäten für das Testen, als auch durch die unterschiedlichen Möglichkeiten einer qualitativ hochwertigen intensivmedizinischen Versorgung bedingt sein kann.
So hat beispielsweise Italien (Stand 19.3.2020) eine CFR von 8,4%. Deutschland nur 0,2%. Allerdings steht Deutschland im Gegensatz zu Italien erst am Anfang der exponentiellen Ausbreitung und die intensivmedizinische Kapazitätsgrenze spielt in Deutschland noch keine Rolle.

Die weit divergierenden Zahlen machen deutlich, dass es derzeit noch nicht möglich ist, die CFR zuverlässig zu schätzen. Was allerdings mit großer Zuverlässigkeit gesagt werden kann, ist, dass die Todesfälle in erster Linie ältere, vor allem hochbetagte Menschen mit vor allem kardiovaskulären und pulmonalen Vorerkrankungen betreffen.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Schaden durch COVID-19-assoziierte vorzeitige Todesfälle beträchtlich ist und sehr wahrscheinlich noch drastisch ansteigen wird.
Die derzeit für Deutschland gemessene CFR von 0,2% liegt jedoch unter den Daten des RKI errechneten CFRs für Influenza der Jahre 2017/18 von 0,5% und von 2018/19 von 0,4%, allerdings über der weit verbreiteten Zahl von 0,1%, für die es keinen zuverlässigen Beleg gibt.
Bedrohlicher als die CFR ist die absolute Zahl der zu erwarteten Toten, wenn sich die Erkrankung mit Verdoppelungsraten von zwei bis drei Tagen weiter ausbreitet. Aus der Perspektive der EbM bleiben jedoch all diese Zahlen nur eingeschränkt verwertbar, wenn die Gesamtmortalität der Bevölkerung, die Gesamtkrankheitslast durch Influenza- like Infections sowie deren CFRs als Bezugsgröße fehlen.

Effektivität von nicht-pharmakologischen Interventionen (NPI)

An dieser Stelle sollen vor allem die derzeit praktizierten und angedachten Maßnahmen des „Social Distancing“ erörtert werden, also staatliche Interventionen von der Schließung von Bildungseinrichtungen bis hin zur vollständigen Ausgangssperre.
Als historisches Beispiel für die Effektivität von NPI werden die unterschiedlichen Reaktionen amerikanischer Städte auf die Influenza-Pandemie 1918 angeführt.
In St. Louis wurden schnell drastische Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung ergriffen (Schließung von Schulen, Kirchen, Theatern, Lokalen, Absage öffentlicher Veranstaltungen u.a.), in Philadelphia wurde jedoch noch eine große Stadt-Parade durchgeführt und wirksame Containment-Maßnahmen erst zwei Wochen später implementiert.
Die Folgen waren dramatisch: In St. Louis erreichte die Todesfallrate in der Spitze 31/100.000 Einwohner, während diese in Philadelphia auf 257/100.000 Einwohner stieg und es als Folge zu einem Zusammenbruch der Gesundheitsversorgung kam. Auch die Gesamtzahl der Todesfälle lag mit 347/100.000 Einwohnern in St. Louis etwa bei der Hälfte von Philadelphia (719/100.000 Einwohner).
Ob die Erfahrungen aus der Influenza-Pandemie 1918/19 allerdings auf COVID-19 übertragbar sind, ist vollkommen unklar.
Die Tatsachen, dass damals hinsichtlich der Todesfälle vor allem junge Leute betroffen waren und dass weder Hygienestandards noch medizinische Versorgung 1918/19 mit heute vergleichbar sind, spricht eher gegen eine Übertragbarkeit. Über die (eher fragwürdigen) Schlüsse aus dem historischen Beispiel hinaus gibt es wenig Evidenz, dass NPIs bei COVID-19 tatsächlich zu einer Verringerung der Gesamtmortalität führen.
Ein Cochrane Review aus dem Jahr 2011 fand keine belastbare Evidenz für die Effektivität von Screening bei Grenzkontrollen oder Social Distancing, allerdings in erster Linie aufgrund fehlender Studien und mangelhafter Studienqualität.

Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2015 findet moderate Evidenz für Schulschließungen, um die Ausbreitung einer Influenza-Epidemie zu verzögern, allerdings verbunden mit hohen Kosten. Isolation im Haushalt verlangsamt zwar die Ausbreitung, führt aber zur vermehrten Infektion von Familienangehörigen. Bei all diesen Erkenntnissen stellt sich die Frage nach der Übertragbarkeit von der Influenza auf COVID-19.
Es ist gänzlich unklar, wie lange die NPIs aufrechterhalten werden müssen und welche Effekte in Abhängigkeit von Zeit und Intensität damit erzielt werden könnten.

Möglicherweise wird die Zahl der Toten nur auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, ohne dass sich an der Gesamtzahl etwas ändert.

In einer Modellrechnung der Arbeitsgruppe COVID-19 am Imperial College wird prognostiziert, dass die Durchführung radikaler NPIs – wie derzeit angestrebt bzw. schon umgesetzt – zu einer zweiten, ebenso gravierenden Pandemiewelle im Herbst 2020 führen könnte, wenn die NPIs nach drei Monaten gelockert werden.

Alternativ könnte eine „On-Off-Strategie“ gefahren werden, die durchzuhalten wäre, bis etwa 60-70% der Bevölkerung die Erkrankung durchgemacht haben und immun geworden sind, und sich hierdurch eine Herdenimmunität entwickelt hat. Dies würde aber bedeuten, dass für etwa ein Jahr in Intervallen für insgesamt zwei Drittel der gesamten Zeit drastische NPIs in Kraft wären.

Mögliche indirekte Schäden durch COVID-19 und NPIs

Auch für die möglichen indirekten Schäden der Pandemie gibt es wenig Evidenz. Die Schäden durch die Pandemie gehen jedenfalls weit über die Todesfallrate hinaus. Durch die Erkrankung kommt es nicht nur zu einer gravierenden Belastung des Gesundheitssystems mit möglicherweise reduzierter oder schlechterer Versorgung der nicht an COVID-19 erkrankten Patienten, sondern auch zu Arbeitsausfällen großen Ausmaßes. Andererseits haben die derzeit ergriffenen NPIs massive Auswirkungen, die weit über den wirtschaftlichen Einbruch und das Abstürzen der Aktienkurse hinausgehen. Welche psychischen und gesellschaftlichen Auswirkungen haben soziale Isolierung? Wie viele ausländische Betreuungskräfte wollen oder können aufgrund der Grenzschließung und der Auflagen zum Coronavirusschutz, wie der 14-tägigen Quarantäne nach Heimkehr, nicht mehr ihren Dienst bei unseren pflegebedürftigen älteren Menschen antreten und welche Auswirkungen hat das? Wie viele Arbeitsplätze werden verlorengehen, wie viele Unternehmen werden kollabieren? Wen werden die wirtschaftlichen Folgen am härtesten treffen? Werden die NPIs dazu beitragen, soziale Unterschiede zu vergrößern? Das Schließen der Schulen mag die Transmissionsraten unter Kindern reduzieren, aber wird es wirklich helfen, die Pandemie zu stoppen und – das ist ja das wichtigste Ziel – die Todesraten zu senken?

Werden die Kinder sich nicht außerhalb der Schule treffen, die Eltern in Ermangelung von Betreuung von der Arbeit abhalten und dann die Großeltern besuchen – und damit genau die Personengruppe einem Risiko aussetzen, die am meisten geschützt werden muss?

Es ist unmöglich, zum jetzigen Zeitpunkt abzuschätzen, ob durch unbeeinflusste rasche Ausbreitung der Erkrankung oder durch ein Hinauszögern der Ausbreitung und eine dadurch bedingte Verlängerung des gesamten Erkrankungszeitraums der größere Schaden angerichtet wird, der dann auch wieder indirekte Auswirkungen auf Gesundheit, Lebensqualität und Lebenserwartung haben kann.

Wo ist die Evidenz?

Viele Fragen bleiben offen. Wir sind einerseits mit den nackten Zahlen einer exponentiell steigenden Anzahl von Erkrankten und Toten weltweit konfrontiert, die uns die Medien tagtäglich in beängstigender Form vor Augen halten. Die mediale Berichterstattung berücksichtigt jedoch in keiner Weise die von uns geforderten Kriterien einer evidenzbasierten Risikokommunikation.

In den Medien werden aktuell die Rohdaten kommuniziert, etwa bisher gibt es “X“ Infizierte und „Y“ Todesfälle. Dabei wird nicht zwischen Diagnosen und Infektionen differenziert. Es handelt sich bei den gemeldeten Fällen jeweils um Diagnosen. Die Gesamtzahl der Infizierten ist jedoch nicht bekannt. Dazu bräuchte es eine vollständige Testung einer repräsentativen Stichprobe aus der Bevölkerung.

Die Nennung von Fällen ohne Bezugsgrößen ist irreführend. So werden beispielsweise für die einzelnen Länder, Bundesländer oder Regionen lediglich Rohdaten berichtet, ohne Bezug zur Bevölkerungsgröße. Die Angaben könnten sich jeweils auf 100.000 Einwohner beziehen. Auch werden keine zeitlichen Bezugsgrößen genannt. So heißt es etwa „bisher gibt es 10.000 Fälle“. Die Nennung von Rohdaten ohne Bezug zu anderen Todesursachen führt zur Überschätzung des Risikos. In Deutschland versterben etwa 2.500 Personen pro Tag. Die Angaben zu den Todesfällen durch Covid-19 sollten daher entweder die täglich oder wöchentlich verstorbenen Personen mit Angabe der Gesamttodesfälle in Deutschland berichten.

Auch ein Bezug zu Todesfällen durch andere akute respiratorische Infektionen wäre angemessen. Für den Hinweis, dass durch COVID-19 überwiegend ältere und kranke Menschen versterben, wäre ein Vergleich mit Personen sinnvoll, die an anderen akuten respiratorischen Erkrankungen versterben. Die Frage, inwieweit es aus ethischer Sicht gerechtfertigt ist, nun in den Medien exemplarisch schwer verlaufende Einzelfälle zu berichten, ohne Einordnung in das Gesamtspektrum von Krankheit und Tod, sollte diskutiert werden.

Zudem bestehen bei den zur Verfügung stehenden Daten erhebliche Ungereimtheiten. Es ist vollkommen unklar, warum es gerade in Italien zu einer solch explosionsartigen Ausbreitung mit vielen Toten gekommen ist, und das nicht etwa in einer der ärmeren Regionen Italiens, sondern in der reichen Lombardei. Man kann dieses Geschehen sicher nicht einfach mit Verweis auf eine schlechtere medizinische Versorgung abtun, und auch ein Mangel an Messungen scheint in Italien nicht vorzuliegen.

Die Zahlen aus China sind wenig glaubwürdig. Dass in einem Land mit 1,4 Milliarden Menschen das „Containment“ so gut funktioniert, dass sich plötzlich niemand mehr infiziert (25 Neuinfektionen im ganzen Land am 18.3., keine Neuinfektionen am 19.3.), erscheint doch sehr unwahrscheinlich. Und was passiert, wenn die NPIs gelockert werden? Ansteckungsrate, Virulenz und Pathogenität des Virus ändern sich doch durch das Containment nicht. Das heißt, dann wird die Ausbreitung, wieder Fahrt aufnehmen und exponentiell fortschreiten, bis ca. 60 bis 70% der Bevölkerung infiziert wurden und dann immun sind. Oder wurde dieser Status in China bereits erreicht?

Dann wären die 3.217 Toten (Stand 19.3.) in Relation zu 1,4 Milliarden Bevölkerung allerdings weit unter der Todesfallrate der jährlichen Influenza, die wir bisher ohne drastische NPIs in Kauf nehmen. Die bisher wenigen Todesfälle in z.B. Deutschland und Österreich sprechen ebenfalls eine andere Sprache. Wird hier im Fall von SARS-CoV-2 – im Gegensatz zur Influenza – einfach nur umfangreicher gemessen?

2017/18 sind in Deutschland 25.100 Menschen an Influenza verstorben. Bei einer angenommenen CFR von 0,1% entspricht dies einer Anzahl von 25 Millionen Infizierten. Die Grippe-Saison dauerte 15 Wochen. Um innerhalb von 15 Wochen auf 25 Millionen zu kommen, müsste sich die Anzahl der Infizierten alle 4 Tage verdoppeln – ähnlich wie wir es jetzt bei SARS-CoV-2 sehen – nur bei der Influenza haben wir es nicht gemessen. Es gab jedenfalls 2017/18 keine Meldungen, dass unser Gesundheitssystem überlastet war, obwohl sicher alle 25.000 Grippetoten vor ihrem Tod medizinisch versorgt wurden, die meisten sicher stationär oder gar intensivmedizinisch.

Auch ein Vergleich zur diesjährigen Influenza-Aktivität könnte sinnvoll sein: Laut Wochenbericht 11 des RKI wurden bisher in dieser Saison 165.036 Influenzafälle labordiagnostisch bestätigt. 23.646 Fälle wurden wegen nachgewiesener Influenza hospitalisiert und 265 Personen sind an Influenza verstorben.

Der bekannte Epidemiologe John Ioannidis weist darauf hin, dass Coronaviren als typische Erreger von Erkältungskrankheiten jedes Jahr für Millionen von Infektionen verantwortlich sind und diese banalen Erkältungskrankheiten in bis zu 8% älterer, multimorbider Menschen mit Komplikationen wie Pneumonien tödlich enden. Der einzige Unterschied zu SARS-CoV-2 könnte sein, dass wir Corona-Virus Infektionsraten bisher nie in der Bevölkerung gemessen haben.

Es ist vollkommen unklar, ob SARS-CoV-2 saisonalen Schwankungen unterliegen wird wie die Influenza, d.h., ob sich mit wärmeren Temperaturen die Ausbreitung verlangsamen oder gar zum Stillstand kommen wird.

Es ist auch unklar, ob das Virus ähnlich wie Influenza-Viren antigenetisch stabil ist oder mutiert, sodass sich keine dauerhafte Immunität entwickeln kann. Es ist weitgehend unklar, inwieweit sich die Containment-Maßnahmen tatsächlich auf den Verlauf der Epidemie auswirken. Die Hinweise, die wir aus den asiatischen Ländern haben, sind sicher nur bedingt auf Europa mit seiner liberalen Lebenseinstellung übertragbar. Und was passiert, wenn die NPIs wieder beendet werden?

Die Hochrechnungen aus dem Imperial College stimmen hier eher pessimistisch und prognostizieren eine zweite Erkrankungswelle für den Spätherbst, selbst wenn die derzeitigen Maßnahmen drei Monate durchgehalten werden, oder die Notwendigkeit intervallartig wiederholter NPIs über zwei Drittel der Gesamtzeit für ein ganzes Jahr. Des Weiteren stellt sich die Frage, ob die Bevölkerung als Ganzes eine Immunität gegen die Erkrankung aufbauen wird und wann. Wird die Erkrankung dann möglicherweise zu einer typischen Kinderkrankheit, d.h. jeder, der sie noch nicht hatte, macht sie irgendwann durch und ist dann fortan geschützt, oder wird es auf Dauer zu saisonalen Krankheitsausbrüchen kommen – ähnlich der Influenza?

Ist SARS-CoV-2 ein antigenetisch stabiles Virus oder weist es ähnlich wie das Influenza-Virus eine hohe Variabilität auf? Ob und wann es eine effektive Impfung geben wird, ist derzeit kaum abschätzbar.

Fazit

Es gibt insgesamt noch sehr wenig belastbare Evidenz – weder zu COVID-19 selbst, noch zur Effektivität der derzeit ergriffenen Maßnahmen. Aber es ist nicht auszuschließen, dass die COVID-19 Pandemie eine ernstzunehmende Bedrohung darstellt, und NPIs – trotz weitgehend fehlender Evidenz – das einzige sind, was getan werden kann, wenn man nicht einfach nur zusehen und hoffen will.

Selbst wenn man von der günstigsten Annahme ausgeht, dass die CFR letztendlich deutlich unter 1% zu liegen kommt (vor allem aufgrund der Nichterfassung asymptomatischer und milder Fälle) und in erster Linie ältere Menschen und Menschen mit Komorbiditäten betroffen sind, so ist dennoch aufgrund der raschen Ausbreitung der Erkrankung mit einer hohen Anzahl von Toten zu rechnen.

NPIs erscheinen unter Abwägen der Pro und Contra-Argumente derzeit sinnvoll, aber sie sollten nicht ohne akribische Begleitforschung durchgeführt werden. Hierfür ist es erforderlich jetzt neben der ohne Zweifel erforderlichen virologischen Grundlagenforschung umgehend Kohorten und Register aufzubauen, um für zukünftige Pandemie-Situationen wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse zu sammeln.

Unter anderem ist es sinnvoll, Zufallsstichproben der Gesamtbevölkerung auf SARS-CoV-2 zu untersuchen, um die wahre Durchseuchungsrate zu erfassen. Zudem wäre es wichtig, die gesamte Infektions- und Krankheitslast durch „Influenza-like-Illness“ sowie deren Folgen in einer repräsentativen Bevölkerungsstichprobe zu erfassen, ähnlich wie dies beispielsweise in der britischen Flu Watch Cohort Study gemacht wurde und von John Ioannidis nachdrücklich gefordert wird.

Für diese Forschung im Versorgungs- und Public-Health-Bereich muss die öffentliche Hand ausreichend Forschungsmittel bereitstellen, um für drohende Pandemien in der Zukunft besser gewappnet zu sein.

Aus meiner Sicht sind also kritische Anmerkungen zum derzeitigen Vorgehen unserer Politik, zu der Berichterstattung der Medien und auch den Experten vom RKI gegenüber erlaubt.
Ich komme also zur 2. Extremposition, bei der konsequent an den Horrorszenarien gezweifelt wird.

Kritik

Tests

Seit ich mich mit diesem Thema beschäftige, suche ich nach Angaben zur Sicherheit der verwendeten Tests.
Jeder Test liefert manchmal Fehler – selbst Schwangerschaftstests liegen manchmal daneben. . .

Schließlich bin ich doch noch fündig geworden – hier.
Nun wird es spannend, denn nach dieser Untersuchung, könnte einer der neu entwickelten und noch nicht besonders gut geprüften Tests möglicherweise fast 50% falsch positive Ergebnisse erzeugen. D.h. er würde jede Menge Leute zu Infizierten erklären, die es in Wahrheit gar nicht sind. Dies würde nicht nur bedeuten, dass die Infektion langsamer voranschreitet als erwartet, sondern auch dass viele der Toten an anderen Ursachen gestorben sind, und gar keine Corona Infektion hatten.
Das wäre ehrlich gesagt ein ziemlicher Hammer.

Der erste Test wurde meines Wissens in Berlin entwickelt. Das Genom des Virus ist noch keine 3 Monate bekannt, und schon haben wir einen Test, der zuverlässig und ausschließlich auf dieses spezielle Corona- Virus anspricht?
Wie lange benötigt ein neuer Test normalerweise bis zur Zulassung?
Mir fehlen hier noch einige Informationen.
Aber sind die denn nicht wesentlich?
Was wenn in der Eile Fehler gemacht wurden?
Warum wird diese Möglichkeit öffentlich nicht diskutiert?

Ich habe mir tagelang diese Frage gestellt und bisher nur einen deutschsprachigen Arzt gefunden, der sie nicht nur stellt sondern auch beantwortet.

Dieser wird nun aber öffentlich als Fake- News- Verbreiter verunglimpft. Das muss man sich genauer ansehen. . .

Alles Panikmache?

Ich möchte mir den Herrn dessen Meinung ich hier vorstelle zunächst genauer anschauen. Ich will ja keinem Trottel auf den Leim gehen. Von wem rede ich hier?
Nur ein paar Daten aus seinem Lebenslauf:

Von 1981 bis 1994 war er Amtsarzt und Leiter des Gesundheitshauses in Flensburg.
1985 bis 1986 Akademie für Arbeitsmedizin, Berlin; 1991 Stipendiat für Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der John Hopkins University, Baltimore/USA (evaluation of health programs).

Er ist Arzt für Innere Medizin – Lungen- und Bronchialheilkunde
Arzt für Hygiene und Umweltmedizin – Umweltmedizin
Arzt für öffentliches Gesundheitswesen – Sozialmedizin

Er ist in der Gendiagnostik-Kommission der Bundesregierung (GeKo), im gemeinsamen Landesgremium des Landes Schleswig-Holstein und im Beirat ThemenCheck des IQWIG

Er war Mitglied des Deutschen Bundestages (1994 bis 2009)
15 Jahre Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestages,
Während zweier Legislaturperioden: Sprecher der SPD-Fraktion in der Enquête-Kommission „Ethik und Recht der modernen Medizin“.
Seit 1998 Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates (PACE/CoE).

Macht mir erst mal einen seriösen Eindruck. . .
Also was sagt er denn?

Und er wird noch viel deutlicher, wenn er mehr Zeit bekommt:

Nun das klingt für mich, nach allem was ich bisher in Erfahrung bringen konnte, durchaus auch plausibel.

Mit medizinischen Themen befasse ich mich schon ca. 3 Jahrzehnte und es gibt nicht wenige Beispiele aus anderen Bereichen, die seine Position gar nicht unglaublich klingen lassen.

Nun kann ich natürlich nicht beurteilen, ob eher der Mainstream richtig liegt, oder eher Dr. Wodarg.

Er ist durchaus nicht der einzige, der diese Meinung vertritt, aber einer der wenigen, die sie öffentlich vertreten, oder vielleicht muss man auch sagen öffentlich zu Wort kommen. Auch er hatte es nicht leicht bei den Medien Gehör zu finden, wie er auf seiner Homepage berichtet.

Eines ist aber prima – jedenfalls für mich:
Ich muss nicht entscheiden, ob ich eher dem Mainstream oder Dr. Wodarg glaube.
Ich kann es abwarten.
Und ich kann auch klar sagen worauf ich warte:
Auf europaweit ansteigende Zahlen von Toten.
Diese werden hier schon seit Jahren berichtet.
Das ist eine offizielle Quelle, die bisher nur zeigt, dass wir das Gegenteil einer Krise haben. Zum jetzigen Zeitpunkt beweist das allerdings noch nichts.
Wenn die ansteigenden Zahlen in den nächsten Wochen und Monaten aber ausbleiben, dann lag der Mainstream falsch und Dr. Wodarg richtig.
Wenn sie ansteigen, aber nicht so stark wie nach den Mainstream Angaben zu erwarten war, dann liegt die Wahrheit wohl irgendwo zwischen den beiden Extrempositionen.

Ich bin sehr gespannt!

Ganz egal wie sich das nun entwickelt, wäre noch zu diskutieren, ob wir Bürger von unseren Politikern, den Medien und den Experten in einer angemessenen Weise informiert werden.
Wer die Aussagen des Deutschen Netzwerks Evidenz-basierte Medizin e.V. aufmerksam gelesen hat, kennt meine Meinung dazu schon:
Nein.

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