Vernetzung

Dies ist der rote Faden, durch einen Abend mit einer Handvoll wild zusammengewürfelter Menschen, die sich am 01.08.2018 zusammengefunden haben, um darüber zu sprechen, wie wir uns besser vernetzen können.

Besser vernetzen = demokratisch vernetzen=>

Wir alle sind vielfach vernetzt – Sozial, rechtlich, politisch. Nervenzellen in unserem Hirn. Es kann persönlich oder unpersönlich, mit oder ohne technische Unterstützung sein.
Heute Abend wäre aber keiner von uns hier, wenn wir nicht per Email über´s Internet vernetzt wären.

Wir reden also heute Abend nicht darüber, ob wir uns vernetzen sollen, sondern darüber wie wir uns besser vernetzen können. Aber was bedeutet „besser“ im Zusammenhang mit Vernetzung?
Nach welchen Kriterien / Vorstellungen / Ideen beurteilen wir die Qualität der Vernetzung?
Ich hoffe Ihr stimmt mir zu, dass Demokratie die Kernidee ist, nach der wir die Qualität unserer Vernetzung bewerten müssen.

Wenn wir über die Verbesserung der Demokratie in Deutschland reden, dann müssen ca. 80 Millionen Bürger besser vernetzt werden. Ich kann mir nicht vorstellen, wie das ohne technologische Unterstützung machbar sein soll. Und offensichtlich sehe ich das nicht alleine so:
Makroskop. Nachdenkseiten. Bürgerkandidaten. KenFM, Daniele Ganser, Willi Wimmer über Youtube etc.

Aber ganz sicher ist es auch nicht die Technik alleine, die unsere Probleme löst.

Probleme=>

Jede Idee muss zunächst „geboren“ werden. Doch dann muss sie sich auch noch verbreiten.
Der 2. Schritt – die Verbreitung – ist nicht der letzte aber vermutlich der schwierigste Schritt.

Und wenn wir über die Idee der Demokratie reden – die hat immer noch Schwierigkeiten mit der Verbreitung und selbst bei uns auch noch Probleme mit der Umsetzung, obwohl sie mindestens schon 2000 Jahre alt ist und schon Milliarden Menschen sie kennen.

Probleme der Demokratie=>

Wählen, ohne zu wissen was man wählt=>

Wir wählen Parteien, oder Personen. Manchmal auch übergeordnete, allgemeine Themen – aber zu konkreten Entscheidungen werden wir nicht befragt.
Selbst wer im politischen System eingebunden ist – also politisch besser vernetzt, als die meisten Bürger – hat´s schwer im Kampf der Interessen.
Korrekte Informationen sind in der „Medienlandschaft unserer Informationsgesellschaft“, die mehr mit Interessenvertretung, als mit unabhängiger Informationskultur zu tun hat schwer herauszufiltern.

Einmal in 4 Jahren wählen – ca. 1200 Entscheidungen pro Jahr, ohne unsere Mitsprache

Ebenen der Demokratie - überall das gleiche Spiel=>

Der winzige Ausschnitt an Problemen der Demokratie, den ich hier beschriebe, findet sich auf allen Ebenen des demokratischen Systems. Von der Gemeinde bis zur UN.

Der Status Quo ist gut vernetzt=>

Das ‚System‘, das wir verändern wollen (an der ein- oder anderen Stelle – mehr oder weniger. . . ), besteht aus komplex vernetzten Menschen und Menschengruppen. Parteien, Vereine, Stammtische, Medien, Facebook etc. . .

Im Weltbild das von dieser Vernetzung aufgebaut wird, geht es ‚uns‘ (im Weltbild einer ‚entscheidenden Mehrheit‘) zu gut für Veränderungsdruck. Veränderung ist anstrengend. Die Anstrengung bringt doch nichts. Da kann man nix machen. Da rennt man gegen Wände.
Eine Mehrheit der Bevölkerung sitzt zu Hause ist mit Teilen des Status Quo unzufrieden aber denkt über jeden, der eine Idee hat, und zu jeder Organisation, die etwas bewegen möchte: Das bringt doch nix – ihr seid viel zu wenige, das ist unrealistisch.
Und viele machen konkrete persönliche Erfahrungen, die bestätigen, dass diese Einschätzung richtig ist und verbreiten diese Erzählung in Ihrem Netzwerk.
Die modern vernetzte Gesellschaft ist schwerfällig, unkreativ und möchte sich nicht verändern. Dadurch verändert sie sich z.T. rasant in eine selbstzerstörerische Richtung, doch selbst wo sie das wahrnimmt, begegnet sie der Problematik mit morbidem Gleichmut.

Lösungen=>

Wenn diese Analyse auch nur in Teilen richtig ist, sind neue Wege unabdingbar, denn mit den alten Wegen ist bisher in 2000 Jahren nur der kritikwürdige Status Quo erreicht worden.

Die Zeit ist reif – die Menschen wissen längst genug, die Aufklärung ist weiter fortgeschritten als die meisten glauben. Man kann noch jahrzehntelang über die Feinheiten streiten und sich bis zum Weltuntergang aufklären – wir müssen in´s Handeln kommen. Und Handeln meint in diesem Zusammenhang in einem 1. Schritt uns besser demokratisch zu vernetzen.

Neue Ideen oder auch alte Sichtweisen im neuen Gewand, schießen wie Pilze aus dem Boden.
Aber diese Pilze erscheinen an der Oberfläche vereinzelt und man stolpert oft nur zufällig über sie.
Unsere Aufgabe ist die Vernetzung. Wer einen Pilz gefunden hat, muss von diesem Pilz auf all die anderen Pilze aufmerksam gemacht werden, damit jeder sieht und die Erfahrung macht, dass es schon unglaublich viele davon gibt.
Sich vereinzelt zu Hause ärgern war gestern.

Wir reden nicht mehr über das ‚zarte Pflänzchen‘ einer besseren Demokratie, sondern über ein unter der Oberfläche der öffentlichen Wahrnehmung rasant wachsendes Wurzelwerk. Es bildet sich gerade die Basis für eine „Graswurzelrevolution der Demokratie“.
Lösungen laufen also immer auch darauf hinaus, diese Entwicklung zu fördern.
Demokratische Vernetzung ist vielleicht ein geeigneter Überbegriff dafür.

Konkrete Beispiele=>

Ein paar Schlagworte (und das sind nur die paar, die mir als erstes einfallen. . . ):
Heiner Flassbeck – wissenschaftliche Diskussion – Makroskopen – Makroskopen HD – plurale Ökonomen HD und MA. Nachdenkseiten (bundesweit 120.000 Leser täglich) – Gesprächskreis HD, Friedensinitiativen, Bürgerinitiativen – Gegenwind, Bürgergemeinschaft Schriesheim und wieder zurück zur Bundesebene – Direktkandidaten und wieder zurück zum Wahlkreis – Bürgerkomitees – Democracy- App, Human- Connection, Bürgergemeinschaften.de etc.

Und alle erzählen mir, wir wären noch so wenige und es wär´ ziemlich aussichtslos, aber man müsse halt trotzdem kämpfen. . .
Die Antworten auf Veranstaltungen (zuletzt Butterwegge in Bensheim), sind geradezu entmutigend („Man kann sich engagieren“ – z.B. bei Attac – und das war´s auf die Frage was man konkret tun kann).
Vor lauter Inhaltlicher Diskussion (obwohl man sich längst im Groben einig ist), fehlt der Focus auf die Menge an Möglichkeiten mit wenig Aufwand viel zu bewegen, indem man sich organisiert.
Bürgerkomitee hat hier auch leider eine Chance verpasst.  Auch Attac hat seine Chance verpasst. Ein Plakat auf dem Attac steht reicht nicht. Warum sagt keine hier in Bensheim treffen wir uns einmal im Monat – kommt doch mal auf´n Kaffee vorbei. Ihr müsst nicht beitreten, aber wir interessieren uns für Eure Meinung, wir reden darüber, was man sonst noch hier im Umkreis tun kann – warum sagt das keiner?
Der DGB war Mitveranstalter, aber außer dass das genannt wird – Fehlanzeige. Wo bleibt die Vernetzung?

Weniger ist mehr=>

Sollen wir nun alle diese „Angebote“ kennen. Alle Ihre Newsletter und Artikel lesen?
Bei all ihren Aktionen mitmachen? Allen was spenden und an allen Crowdfunding Aktionen mitmachen, die auch wie Pilze aus dem Boden schießen? Wer das für unrealistisch hält, hat aus meiner Sicht recht. Vernetzen (so wie ich das verstehe) meint gerade nicht sich zu verzetteln und sich aktiv bei jeder Initiative zu engagieren.
Es ist wenig Aufwand für den Einzelnen, wenn viele an einem Strang ziehen.
Wir müssen nicht rumdiskutieren und uns erst mal in allem einig sein.
Es genügt ein paar Stränge zu finden, an denen wir gemeinsam ziehen wollen, dann passiert mit wenig Aufwand erstaunlich viel in unerwartet kurzer Zeit.
Wir müssen Menschen vernetzen und Plattformen vernetzen – verbunden mit einer Hoffnung erzeugenden neuen und einfachen Erzählung.
Dabei gehören z.B. erzielte Erfolge in den Vordergrund. Der dafür nötige Aufwand sind Ballast.
Im Kern der Erzählung steht die Erfahrung, dass wir schon eine mehrheitsfähige Menge sind und jeder Einzelne nur ganz wenig tun muss – aber dieses wenige muss er tun. Und wir müssen Ihr oder Ihm konkret sagen was das ist. (Nämlich entsprechend der eigenen Präferenzen einen der leckeren Pilze pflücken. . . )

Perfektionismus bremst!
Klein anfangen und ständig ein bisschen daran arbeiten. Viele Leute, die wenig tun, bringen uns weiter, als wenige Leute, die sich aufreiben und an der Resignationsgrenze arbeiten.

Bürgergemeinschaften vernetzen - konkret=>

Wie soll das was ich hier ziemlich abstrakt vorgeschlagen habe konkret funktionieren?
Wie können wir uns mit wenig Aufwand vernetzen?
Schaut auf die Uhr – 5 min. eurer Zeit reichen. (Ihr habt jetzt bereits viel mehr investiert, denn Ihr seid hier)
5 min. und Geduld:
Eine Plattform für die lockere Vernetzung unserer „Bürgergemeinschaften“

Die Bunte Linke könnte hier für alle Nutzer sichtbar in Erscheinung treten (das kostet auch höchstens 5 min. extra)
Die Friedensinitiative könnte hier in Erscheinung treten, ohne sich lächerlich zu machen, aber mit einer Stimme geht das nicht. . .
Stellt Euch nicht die Frage, was das bringen soll. Es bringt natürlich erst dann was, wenn genügend Leute mitmachen. Wie viele sind genügend?
Bsp: Gegenwind und Schriesheimer Bürger. 4 von 6 sind vereinsfremd durch Vernetzung Interessierte.
Wieso ist das den beiden und dem Rest des Vereins nicht peinlich? Immer die gleiche Antwort: Man glaubt nicht, dass das was bringt. Aber es wird nie etwas bringen, wenn keiner glaubt dass es was bringt. Man glaubt nicht, dass es so einfach ist, sondern man muss erst in einem zähen Prozess die Menschen über alles informieren, was diese gar nicht wissen wollen. . .  Die haben keine Lust sich auch noch in diesem Verein zu engagieren, die sind schon woanders engagiert. Dennoch stimmen sie im Kern mit diesem Verein überein und würden ihn auch unterstützen, aber wo und wie kann man das?

Erst vernetzen, dann entscheiden=>

Erst denken, dann handeln.
Bevor man sich dafür entscheidet sich für eine Sache stark zu machen und seine kostbare Zeit investiert, sollte man erst mal schauen, welche Sachen es gibt, bei denen man sich engagieren könnte.
Ach gäbe es doch eine Plattform, wo man erst mal kucken kann. . .

Aber es gibt doch das Internet. – Schon mal im Netz nach etwas gesucht, von dem Ihr nicht wusstet wie es heißt oder was genau es tut?
Sind die Suchergebnisse von Google von den Teilnehmern der Initiativen bewertet? Oder müsst Ihr erst in einem aufwändigen Prozess herausfinden, welche Initiative zu Euch passt, oder wie viele Leute da engagiert sind?

Eine Gemeinschaft finden und unterstützen, oder gar eine neue gründen, muss einfach sein.
Keine Kosten, keine Verpflichtungen, aber Möglichkeiten.
Mal ein Beispiel:

Bürgerkandidaten=>

Was sind Bürgerkandidaten?=>

Ok. nur gaaanz kurz:
Jeder Wahlkreis kann mit der Mehrheit der Erststimmen seiner Bürger einen parteiunabhängigen Kandidaten direkt in den Bundestag wählen.
Das gibt´s schon lange, es muss kein Gesetz geändert werden.
Zuletzt gelang es 1954 – glaub´ ich . . .

Bürgerkomitee Bergstrasse vernetzen=>

Getreu dem Motto „erst vernezten, dann entscheiden was es taugt“, werden wir jetzt mal das Bürgerkomitee Bergstrasse vernetzen. (Ich mach´ das jetzt mal vor und Ihr messt die Zeit. . . )

Bürgerkomitee HD gründen=>

Und jetzt gründen wir mal noch schnell eins für Heidelberg.
Ups, da gibt´s ja schon was, dann geht´s natürlich noch schneller und einfacher. . .
Wenn Ihr im Wahlkreis Heidelberg stimmberechtigt seid, unterstützt die Idee erst mal.
Euch in die tiefe informieren und Eure Meinung im Zweifel auch wieder ändern könnt Ihr immer noch . . .

Und hier noch kurz ein Hinweis zum Thema unrealistisch:

2013=>

Erstimmen im Wahlkreis Heidelberg.

Democracy=>

Noch so´ne wahnsinnig gute Idee, die wir unbedingt vernetzen müssen.
Hier bietet sich eine noch viel stärkere Vernetzung an. . .

Hier hab´ ich mich etwas ausführlicher über alle Internetplattformen ausgelassen, die mir bekannt sind:

Andere Internet Plattformen

Noch ein Wort zur Datensicherheit=>

Egal, ob Democracy, Human- Connection, Bürgergemeinschaften.de etc. pp.
Es gibt völlig verständliche Ressentiments dagegen sich irgendwo anzumelden und sensible Daten einzugeben. . .

Macht Euch aber bitte klar:
Emails sind völlig ungeschützt und keiner macht ein Problem daraus.
Bürgergemeinschaften.de fragt im 1. Schritt keinerlei persönliche Daten ab. Es ist Passwortgeschützt. Dieses Passwort kennt nur Ihr.
Die Website ist 128 bit verschlüsselt.

Wer Email nutzt und sich wegen Datenschutz bei Bürgergemeinschaften nicht registriert, muss noch mal einen Moment nachdenken. . .

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